Silber reden

Silber reden – Gold denken. Jetzt in Moldau

Archive for the ‘Freiburg’ Category

Ein Kreis schließt sich

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Vor ein paar Tagen ging ich im pittoresken Andreisch Park. Hier lässt sich realsozialistische Freizeitgestaltung genießen:

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Doch als ich mich nichtsahnend auf eine nahe Bank setzte, sah ich dies hier:

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Ich kam näher und tatsächlich: Es ist der Sitz des radikalkatholischen Internetsenders Gloria.tv.

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Ich suchte nach einem Klingelschild oder ähnlichem, aber da war nichts zu finden. Zu schade, ich hätte gerne mal „Hallo“ gesagt. Denn immerhin sendete Gloria.tv mal einen Fernsehauftritt mit mir.

Und das kam so:

2011 besuchte der Papst Deutschland und machte auch in Freiburg Halt. Da ich habe für die katholische Kirche im Allgemeinen und Papst Ratzinger im Speziellen wenig Zuneigung hatte (und habe) schloss ich mich dem Bündnis „Freiburg ohne Papst“ an. Dies bestand vor allem aus mittelalten Männern aus dem Dunstkreis der Rosa Hilfe Freiburg, einer Hilfsorganisation für sexuelle Minderheiten. Gemeinsam organisierten wir Diskussionsrunden, Vorträge und sammelten Unterschriften gegen die menschenfeindliche Politik der katholischen Kirche. Es war eine sehr schöne Zeit, denn wir waren eine Stimme für die Freiburger_innen, welche Vorbehalte gegen die Politik der katholischen Kirche hatten.

Im Rahmen dieser Aktionswochen trat ich im Regionalsender TV Südbaden auf. Das Thema der Sendung war, welche Rolle die Religion noch für die Jugend spielt. Ich diskutierte mit einem sympathischen, kritischen Katholiken und hörte mir die radikalen Ergüsse eines Piusbrüderanhängers an. Dieser Klerikalfaschistoide ruinierte leider die ganze Diskussion, denn er hatte mit dem kritischen Christen fast genau so wenig gemeinsam wie mit mir. Auch ansonsten war der Auftritt keine meine Sternstunden. Aber wer möchte, kann sich das gerne antun:

Ich hätte nie damit gerechnet, gerade hier wieder auf diese Episode meines Lebens gestoßen zu werden. Ich erinnerte mich auch dunkel an eine Spiegelreportage über Gloria.tv, welche auch die Reporter auch nach Bălți führte. Hier ist sie:

Written by silberredner

1. Oktober 2014 at 15:41

Hört, hört: „Freiburg ohne Papst“ im Verfassungsschutzbericht 2012!

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Anscheinend braucht die katholische Kirche Hilfe von Papa Staat:

5.5 Freiburger Autonome agitieren gegen Papstbesuch

Anlass zu Protesten und möglichen Störversuchen von Linksextremisten gab auch der Besuch Papst Benedikts XVI. am 24. und 25. September in Freiburg während seiner Deutschlandreise. Zuvor waren die autonomen Gruppierungen „Autonome Antifa Freiburg“, „Anarchistische Gruppe Freiburg“ und „Antifaschistische Linke Freiburg“ bereits seit längerer Zeit gegen die christlich-fundamentalistische „Piusbruderschaft“ in Freiburg vorgegangen. Die autonome Szene Freiburg warf dem Papst vor, mit dieser zu sympathisieren. Sie erklärte, den Papstbesuch nutzen zu wollen, um massiv gegen die „Piusbruderschaft“ und deren Verbindungen zum Papst vorzugehen.

Unter dem Motto „Antisemitismus – Patriarchat – Kapitalismus: WHAT THE FUCK?! Für die befreite Gesellschaft“ rief ein Bündnis autonomer und anarchistischer Gruppen zu einer sogenannten Vorabenddemo am 23. September 2011 in Freiburg auf. Sie erklärte, den Papstbesuch zum Anlass nehmen zu wollen, um „unsere grundsätzliche Kritik an Religion, Kirche und den gesellschaftlichen Verhältnissen zu äußern“.

In einem Aufruf kritisierten sie „Antisemitismus, Patriarchat und Obrigkeitshörigkeit“als nicht nur kirchliche Probleme, sondern als „Alltag auch im Kapitalismus“. Religion beinhalte für die Gläubigen „ein ‚himmlisches‘ Emanzipationsversprechen von diesem weltlichen Elend“. Gleichzeitig aber sei sie nichts anderes als „der Ausdruck eben jenes Elends und reproduziert – teilweise verschärft – Unmündigkeit und Unterdrückung im kapitalistischen Alltag“. Die Veranstaltung fand jedoch wenig Zulauf.

Bereits im Vorfeld hatte sich das linksextremistisch beeinflusste Aktionsbündnis „Freiburg ohne Papst“ von der Demonstration dieses Spektrums distanziert. Insgesamt verlief der Besuch des Papstes in Freiburg störungsfrei.

(Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2011, S 230f, Hervorhebung von mir)

Freiburg ohne Papst“ ist nun linksextremistisch unterwandert? Auf eine solche Idee können auch nur Verfassungsschützer kommen.

Überhaupt eine Bürgerrechtsbündnis in den Verfassungsschutzbericht mit aufzunehmen spricht Bände. Wer verteidigt hier wen?

Ich bin stolz auf unsere Arbeit bei Freiburg ohne Papst, ich wäre auch dann stolz auf sie, wenn sie „linksextremistisch unterwandert“ wäre.

Was soll „unterwandern“ bedeuten? Haben sich Trotzkisten und andere „linke Abweichler“ in unsere Gruppe eingeschlichen um sie nach ihrem Gutdünken zu lenken? Wie „unterwandert“ man überhaupt etwas? Welche Vorstellung von Zivilgesellschaft und der Freiheit von Individuen muss man haben, damit etwas unterwandert werden kann?

Unabhängig davon dass dies die vollkommene Unschärfe, Undifferenziertheit und reaktionäre Suggestivkraft des Extremismusbegriffes aufzeigt ist dies ein Armutszeugnis für den Zustand des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg und trägt nicht zu seiner Legitimation bei.

Nun könnte man einwenden, dass ich nichts besseres zu erwarten hätte, dass der VS ständig mit Argusaugen progressive Vereine und Bewegungen beobachtet, dass dies in Deutschland nun mal so sei.

Doch ich will das nicht glauben.

Ich will einen Staat der seine Bürger beschützt wo es nötig ist und sich aus allem anderen raushält.

Ich will einen Staat, der sich nicht dazu genötigt fühlt, tradierte Wertordnungen zu beschützen.

Ich will einen Staat, der laizistisch ist.

Ich will glauben, dass dieser Staat, der auch der meine ist, Besseres kann.

Doch offensichtlich haben wir noch einen langen Weg vor uns.

Der Verfassungsschutz beschützt keine Menschen, er beschützt das, was er für die Verfassung hält. Das scheint die Glorie eines alten bayrischen Reaktionärs und seiner Wahlmonarchie mit einzuschließen. Schade auch.

Nachtrag:

Hier ein Beitrag zu diesem Thema auf Radio Dreyeckland.

Written by silberredner

24. Mai 2012 at 13:56

Mein Engagment bei „Freiburg ohne Papst“

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Zum Besuch des Papstes in Deutschland bildeten sich verschiedene Protestgruppen, eine davon war „Freiburg ohne Papst“. Ursprünglich nur ein Produkt der Rosa Hilfe Freiburg, schlossen sich bald auch andere Organisationen an, es bildete sich ein breites Bündnis. Tatsächlich rekrutierte sich der Großteil der Aktivisten jedoch aus dem Umfeld der Rosa Hilfe.

Eines Tages las ich im Internet von diesem Bündnis. Für mich war von Anfang an klar, dass ich da mitmachen würde, war bei meinem ersten Zusammentreffen mit der Gruppe jedoch erstaunt, dass es sich fast nur um ältere, schwule Männer handelte. Als Heten- und Studentenminderheit konnte ich jedoch das Bündnis auch anderen Kreisen öffnen.

Im Laufe unserer Propaganda machten wir auch einen kleinen Film mit Statements, warum wir uns engagieren würden:

 


Mein Satz lautete:

„Ich engagiere mich bei Freiburg ohne Papst, weil der Vatikan mit vormoderner Argumentation menschenfeindliche Positionen verbreitet.“

Was meine ich eigentlich damit?

Was ist vormoderne Argumentation?

Vormoderne Argumentation geht davon aus, dass es eine Wahrheit gibt, welche erkennbar ist. Als klassisches Beispiel kann hier Platons Höhlengleichnis dienen, in welchem der Großteil der Menschen in einer Höhle lebt, weit entfernt vom Licht. Nur manchen ist es möglich, das Licht zu sehen und die anderen darüber aufzuklären. Die Rolle der Aufklärer fiele natürlich der katholischen Kirche zu, der „einzig selig machenden Kirche“.

Allein die Vorstellung, dass es nur eine Wahrheit gäbe ist heutzutage absurd. Auch die Vorstellung, dass es Wahrheit gäbe scheint mir mehr als Zweifelhaft. Alles was wir haben, sind Erfahrungswerte und Traditionen auf welche wir unsere Modelle der Welt und Wahrheiten basieren. Trotzdem wird unerfreulich häufig auf solche Denkstrukturen zurückgegriffen. Warum ist das unerfreulich? Weil die Vorstellung von einer Wahrheit den Horizont begrenzt, die Kreativität verkrüppelt und Intoleranz befeuert.

Ein weiterer Aspekt der vormodernen Argumentation ist der Theismus. Man kann zum Theismus stehen wie man will, man kann auch theistische Argumentation für sich selbst verwenden, doch niemals im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Warum nicht? Argumentation, die auf Belange der Gesamtgesellschaft abzielt, muss die Heterogenität unserer Gesellschaft anerkennen. Wo ein erheblicher Teil der Menschen nicht mehr an einen Gott oder nicht mehr an einen Gott oder nicht mehr an diesen einen Gott glaubt ist theistische Argumentation zutiefst undemokratisch. Versuche ich, mich an die gesamte Gesellschaft zu wenden, darf ich auf kein Sonderwissen pochen. Ich kann gerne an Allah glauben so viel ich will, eine Argumentation die Allah beinhaltet, hat keinen Wert für andere. Darum ist die einzig akzeptable Argumentation ein säkulare. Die materielle Welt ist der kleinste gemeinsame Nenner den wir haben. Wer darüber hinaus eine magische Feenwelt sehen möchte, kann das für sich gerne so handhaben. Stützt sich eine Argumentation auf die „Heiligkeit“ einer Schrift, Institution oder Person, wird diese Argumentation jedoch irrelevant. Es ist philosophisch unlauter, noch allgemein mit Gott zu argumentieren. Organisierter Glaube versucht dennoch ständig, seine undemokratischen Argumentationsstrukturen allgemein gültig zu machen. Dies ist unakzeptabel und muss von ständiger Kritik begleitet werden.

So weit, so allgemein. Das bisher Gesagte ist ebenso für evangelische, muslimische oder andere Kirchen gültig. Das spezifisch katholische wird in der Menschenfeindlichkeit deutlich.

Am deutlichsten sticht hier vor allem die katholische Sexualmoral hervor. Jedoch kann man von einer Religion, die ihre Sexualmoral auf ein 2000 Jahre altes Buch fußt auch nichts besseres erwarten. Die Verdammung homosexuellen Handlungen ist ein schwerwiegender Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung der Menschen. Ebenso ist es das Verbot von Verhütungsmitteln, von den gesundheitlichen Auswirkungen ganz zu schweigen. Eine Institution, die ihre religiösen Vorstellungen über die Gesundheit der Menschen stellt, ist schlicht widerwärtig. Ebenso anachronistisch ist der Ausschluss wiederverheirateter Menschen. Von der Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper und ihre reproduktiven Fähigkeiten ganz zu schweigen. Hier werden fundamentale Menschenrechte mit Füßen getreten.

Nun könnte man natürlich einwenden, dass niemand dazu gezwungen würde katholisch zu sein, dass wir in einer freien Gesellschaft lebten und das hier überhaupt mir Kanonen auf Spatzen geschossen würde.

Nun verbreitet die katholische Kirche aber eben solche Einstellungen mit ihrem historisch gewachsenen Machtapparat. Das fängt im Kindergarten an und hört im Hospiz auf; soziale Einrichtungen, mit einem erheblichen finanziellen Anteil des Staates, welche dennoch immer auch einen missionarischen Auftrag haben. Aus diesem Grund dürfen ja auch keine wiederverheirateten oder offen homosexuell lebenden Menschen in katholischen Einrichtungen angestellt sein, da sie die katholische Lehre nicht überzeugend verbreiten könnten. Ich selbst habe mit Menschen gesprochen, die im sozialen Sektor arbeiten und Angst davor haben die Kirche zu kritisieren. Da unterschreibt man lieber keinen Aufruf, auch wenn man mit ihm vollkommen übereinstimmt.

Der Einfluss dieser Kirche in unserer Gesellschaft ist immer noch riesig, das geht über Rundfunkräte, Konkordatslehrstühle bis hin zur staatlich eingezogenen Kirchensteuer und den Millionen Euro an staatlichen Zahlungen, welche jedes Jahr an die Kirchen gehen.

Nein, niemand wird dazu gezwungen katholisch zu sein, jedoch sollte man niemals die kulturelle und psychologische Macht der Kirche unterschätzen.

Die freie, demokratische Gesellschaft ist eine Errungenschaft, die in jeder Generation neu erobert und neu erlernt werden muss. Von den misanthropen alten Herren in Rom und ihrer Wahlmonarchie sind hierbei keinerlei positiven Impulse zu erwarten.

Aber eigentlich kann das der einzigartige Stephen Fry besser und schöner sagen als ich:

Written by silberredner

6. Oktober 2011 at 15:16

Hu, ich war im Fernsehen!

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Und weil ich es unter international bekannten Megasendern nicht mache, fing ich meine TV-Karriere bei TV-Südbaden an. Das kann man bestimmt auch in Frankreich und der Schweiz empfangen.

Ich war als Vertreter des Aktionsbündnis „Freiburg ohne Papst“ eingeladen, doch leider ging es kaum um den Papstbesuch und die unsäglichen Lehren der katholischen Kirche oder Ratzingers reaktionäre Weltsicht, sondern um Kirche und Jugend allgemein.

Leider hatte die Reaktion einen Fehler gemacht und einen Anhänger der Pius-Brüderschaft eingeladen. Dadurch wurde die Diskussion ausgesprochen einseitig, der Typ hat eigentlich die ganze Zeit gesprochen und die Unterschiede zwischen mir und dem liberalen Katholiken kamen kaum zum Vorschein.

Insgesamt bin ich mit meinem Auftritt so mittel zufrieden, hätte mehr, schärfer reden sollen. Meine durchdachte säkulare Argumentation kam im Grunde nicht zum Zuge. Und ein rhetorischer Meister bin ich auch nicht gerade. Aber besser als nichts:

Written by silberredner

16. September 2011 at 10:43

Meine B.A.-Arbeit

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Gestern habe ich meine Bachelorarbeit abgegeben und werde mich wohl bald mit dem hässlichsten aller Titel schmücken können: Bachelor…

Wie dem auch sei, für die winzige Minderheit die es interessieren könnte habe ich hier meine B.A.-Arbeit mit dem griffigen Titel: „Vom Sowjetvolk zur Explosion der Identitäten. Zur Identitätsentwicklung der Volga-Tataren und Kalmyken in den 1960er und 1990er Jahren“ hochgeladen.

Sie ist wahrlich nicht gut geworden. Wie eine Dozenten meinte: Das hätte sie sich schon nach meinem Vortrag gedacht. Hm.

Nun, hier ist sie meine: B.A.-Arbeit. Hier klicken um zu öffnen.

Written by silberredner

28. Juli 2011 at 17:24

Solange sie mir kein Ohr auf den Rücken pflanzen…

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Gibt es einen besseren Weg an Geld zu kommen als seinen Körper zu verkaufen?

Nun ja, außer dem Weg des (organisierten) Verbrechens wahrscheinlich nicht. Da mich allerdings noch kein Gangsterboss als seinen Robert Duvall haben wollte und ich mir meine Hände nicht selber schmutzig machen will bleibt mir nur die erste Möglichkeit.

Nun gut, dazu gibt es in Freiburg glücklicher Weise genügend Gelegenheiten: Danke, Wissenschaft!

Zuerst langweilte ich mich bei einem Eye-tracking-Versuch. Hier musste ich Urteile lesen und dazu fragen beantworten. Schrecklich! Diese armen Juristen! Kein Wunder, dass die sich nach dem Studium so prostituieren; wenn ich durch ihre Hölle der Langeweile gegangen wäre würde ich auch etwas Kompensation erwarten. Wie dem auch sei, ich war nach 20 Minuten fertig und bekam dafür 10 Euro. Good enough. Nächste Woche mache ich es noch mal.

Anspruchsvoller war da schon das Experiment, das ich heute beendete. Hier musste ich zuerst eine Stunde lang Fragebögen zu meiner psychischen Verfassung ausfüllen und Fotografien von Augenpartien Gefühlsstadien zuordnen. Das war immerhin unterhaltsam, aber nur die Vorarbeit für das was heute kam.

In der Uniklinik (übrigens ein erstklassiger Nazibau) wurde mir ein Nasenspray verabreicht, das Auswirkungen auf die Empathie haben sollte. Um das genauer zu untersuchen musste ich in einen Kernspintomographen der mein Gehirn angucken sollte, während ich in der Röhre verpixelte Bilder von fröhlichen, ärgerlichen oder neutral aussehenden Gesichtern zuordnete. Für mich war es das erste Mal in so einem Ding und besonders angenehm fand ich es anfangs nicht. Ich durfte mich nicht bewegen, mein Kopf war in einer käfigartigen Apparatur und der Tomograph machte einen Höllenlärm um mich herum.

Insgesamt musste ich ca. 40 Minuten in dieser Maschine verbringen, deren monotone Geräusche mich stark an Dancer in the Dark erinnerten.

So hatte ich, als ich das Ding verließ, auch einen Ohrwurm von einem Beat den ich aus dem Hämmern des Tomographen herausgehört hatte. Ich sollte mehr Industrial hören.

Auch hätte ich erheblich früher mit diesem Experimentezeugs anfangen sollen. Einfacher lässt sich Geld nicht verdienen. Und ja, der Wissenschaft ist auch geholfen. Mehr davon!

Written by silberredner

13. Februar 2011 at 22:28

Veröffentlicht in Allzumenschliches, Freiburg, Uni

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Und umsonst zu essen gab es auch!

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Diese Woche nahm ich an meiner ersten wissenschaftlichen Konferenz teil. Nicht als aktiver Teilnehmer, das wird noch ein paar Jahre dauern, sondern als Zuschauer.

Die Konferenz wurde vom FRIAS, dem Freiburg Institute for Advanced Studies, einer Institution die nach der Exzellenzapotheose unserer Uni eingerichtet wurde. Hier können Dozenten endlich in Ruhe forschen ohne dabei von lästigen Studierenden gestört zu werden. Für diese bringt das FRIAS so gut wie nur Nachteile mit sich aber wie dem auch sei.

Das Gute am FRIAS ist, dass manche wirkliche gute Vorträge oder Konferenzen angeboten werden, diese werden jedoch nicht wirklich beworben, da es nicht gewünscht ist, dass Studierende in großer Zahl den Charakter der Veranstaltungen verändern. Es ist halt nur für die Exzellenz. Dazu gehöre ich zwar nicht, aber ich denke, dass man soviel an guten Dingen mitnehmen sollte. Also meldete ich mich an (kostete auch nichts).

Ein Freund und ich waren erstaunlicherweise die einzigen Studierenden (und noch nicht einmal Bachelor), ansonsten trieben sich nur FRIAS-Fellows, Dozenten und ihre Kollegen aus immerhin zehn verschiedenen Ländern auf der Konferenz herum.

Das Thema der Konferenz lautete „Soviet Socialism, Kemalism, Italian Fascism: Comparative approaches“ und war auf den FRIAS-Fellow Stefan Plaggenborg abgestimmt, der gerade zu diesem Thema forscht.

Ich will euch nicht mit den Details langweilen, aber es war eine sehr lehrreiche Erfahrung für mich, aus verschiedenen Gründen.

Zum einen war es sehr interessant, internationale Historiker zusammen diskutieren und vortragen zu sehen. Besonders unterhaltsam waren Gábor Rittersporn aus Paris (welcher mindestens sechs Sprachen fließend sprach und DER Stereotyp eines verwirrten, Lebensfernen Geschichtlers war) und Emilio Gentile aus Rom, der gerade im Vergleich zu seinen Kollegen unglaublich lebhaft vortrug. Wer mal die Chance hat ihn zu hören – hingehen!

Zum anderen wurde mir klar, dass das genau das ist was ich will. Auch ich will mich viel zu lange und ohne jedes Zeitmanagement über ein Thema reden hören, vom hundertsten aufs tausendste kommen, alles „eigentlich viel differenzierter sehen“ und Witzchen reißen, die außer Historikern kein denkendes Wesen witzig finden würde.

Ich musste auch an den alten Witz denken: Eine wissenschaftliche Konferenz sieht so aus: Der Eine sagt das, was er immer sagt. Darauf sagt ein Anderer was er immer sagt. Danach gehen alle gemeinsam Essen und am Ende erscheint ein Buch.

Written by silberredner

6. Dezember 2010 at 01:43

Veröffentlicht in Freiburg, Geschichte, Uni

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