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Marschrutka mon Amour

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Moldau ist wie viele andere osteuropäische Länder auf ein System von Minibussen angewiesen. Diese heißen Marschrutkas (oder Rutieră auf Rumänisch) und sind häufig die einzige öffentliche Verkehrsanbindung vieler Städte und Dörfer. Hier ein kleiner Eindruck des Fahrerlebnisses:


Dazu muss man sich den besonderen Marschrutkaduft vorstellen: Eine Mischung aus abgestandener Luft, Schweiß und altem Auto. Besonders viel Spaß macht es natürlich im Sommer, wenn man Schulter an Schulter mit viel zu breiten Männern schaukelt.

Musik spielt eine große Rolle in Marschrutkas. Es läuft russischer, rumänischer oder amerikanischer Pop. Die Musik ist fast immer unerträglich schlecht – meiner Meinung nach zumindest. Auch ist sie häufig so laut, dass man sie selbst mit Kopfhörern noch hört.

Hier sind zwei Beispiele der besseren Sorte, beide laufen im Grunde ständig und ich hatte von beiden schon mehrfach Ohrwürmer:

Bisher fand ich die Musik erst zweimal gut: Einmal lief entspannter House, das andere Mal lief nichts.

Aber wie kommt man nun zur Marschrutka? Von Chișinău nach Bălți gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

1. Die „offiziellen“ Marschrutkas vom Gara du Nord (Nordbahnhof) in Chișinău zum Auto Gara in Bălți.
Diese Variante nehme ich sehr selten, denn der Gara du Nord ist etwas außerhalb des Zentrums. Zudem ist die Marschrutka häufig extrem voll, da auf dem Weg Halt gemacht wird. Die Musik ist häufig besonders laut, weil die Autos im Schnitt etwas neuer sind.
Dafür gibt es ab und zu W-LAN und die Marschrutkas fahren mehr oder weniger nach Plan und später am Abend als die Konkurrenz. Diese Variante kostet 65 Lei (2.91 €), bezahlt wird am Auto vor der Fahrt.

2. Die „illegalen“ Marschrutkas (illegal sind sie nicht, aber ich habe mir angewöhnt, es so zu sagen). Diese fahren in Chișinău und Bălți neben den zentralen Autogara ab. Hier stehen Männer bereit und rufen „Bălți! ´Bălți!“ oder „Chișinău! Chișinău!“ (eher “ Kischinjow, Kischinjow!“ – die russische Aussprache).

Die Marschrutkafahrer stehen an der Ecke Str. Columna/Tighina in Chișinău und fahren Ecke Tighina/Alexandru cel Bun ab.

Marschrutka

Diese Marschrutkas fahren los wenn sie voll sind. Wenn man den Fahrern glauben schenkt (was man nicht tun sollte), geht es immer „sofort“ (srasu) los. Von wegen. Sofort kann alles von tatsächlich sofort bis 30 Minuten und mehr heißen. Manchmal hat man Glück und man ist der letzte, meistens natürlich nicht. Ich würde schätzen, dass ich im Schnitt 15 Minuten warte, bis die Marschrutka losfährt.
Diese Marschrutka hat den Vorteil, dass sie schneller ist und die Musik meistens etwas leiser ist. Dafür sind die Busse meistens ziemlich veraltet und mit Sicherheit nicht besonders sicher.
Die Fahrt kostet 60 Lei (2.69 €) und wird während der Fahrt nach vorne durchgegeben. Ein Procedere, an das ich mich schnell gewöhnt habe. Meistens sitzt eine junge, attraktive Frau neben dem Fahrer, die für ihn das Geld einsammelt, zählt und Wechselgeld ausgibt. Die Frauen sind eigentlich normale Passagiere, aber die Fahrer sitzen gerne neben ihnen. Sprechen tun die beiden aber nicht. Ich selbst hatte erst einmal die Ehre, diese Ausgabe zu übernehmen. In gewisser Weise ein Ritterschlag für meine Russischkenntnisse, denn die Lingua Marschrutka ist in der Regel Russisch, es sei denn, jemand möchte partout auf Rumänisch reden.

3. Per Auto. Diese Variante ist eigentlich genauso wie die „illegale“ Marschrutka, nur dass man mit alten Kombis fährt. Im letzten Jahr habe ich mich meist für’s Auto entschieden. Mir scheint es die schnellste Möglichkeit zu sein. Bei manchen Autos ist es auch deutlich komfortabler. Dafür ist hier die Musik meist lauter.

Die Fahrer stehen an der Ecke Str. Columna/Tighina in Chișinău; eine Fahrt kostet 65 Lei (2.91 €).

Ich habe berechnet, dass ich ungefähr eine Woche meines Lebens in Marschrutkas nach Chișinău verbracht habe. Den Großteil davon lesend, nehme ich an – nie hat sich die Investition in einen E-Reader so bezahlt gemacht.

 

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Written by silberredner

31. Mai 2016 at 00:26

Veröffentlicht in Moldawien

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